Streifzüge – Geschichten einer Stadt – Zollmuseum

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Unauffällig steht ein lang gezogenes Haus in der Landschaft, bestehend aus einem Beton-Flachbau und einem Backsteinhaus – eine spannungsreiche Kombination! Die Umgebung eröffnet ein Gefühl von Weite und lässt den Blick nirgendswo anhaften – lenkt ihn zurück zur Straße.

Auf der Straße hat jedoch eine Schranke ihre Heimat gefunden. Auch das Knarzen eines im Winde wiegenden Metallschildes fühlt sich hier zu Hause.

Kurt Cremer empfängt mich mit den Worten: “Das Zollmuseum ist mehr als nur die Zollkellen, ‘ne Zollschranke und ein paar Waffen.” und lädt mich in das Backsteinhaus ein. Mit dem Überschreiten der Türschwelle wirbeln die Zeiten scheinbar mühelos durcheinander. Die Vorhänge des Raumes, die Möbel und insbesondere das Glas in der Tür geben mir ein Gefühl, mich in einem alten Hollywood Film zu befinden. Vorsichtig und ganz behutsam setze ich mich auf einen der Sessel, denn hier lauert in jeder Ritze eine Geschichte. Mein Gastgeber sitzt vor mir und scheint sie alle zu kennen.

Wie ich von ihm erfahre, ist er ein Teil der gelebten Geschichte, denn er ist pensionierter Zolloberamtsrat und er hatte schon einmal im Jahre 1996 für seine Leidenschaft des Zollmuseums gekämpft, so wie jetzt auch wieder. Es geht um etwa 30.000,00 €! Schon zwölf Jahre vorher wurde seine Leidenschaft in diese Form einer Sammlung gegossen. Der Anstoß zu dieser Entwicklung war, die zu dieser Zeit stattfindende Ausstellung in Frankfurt “150 Jahre deutscher Zollverein – als die Schranken fielen”. Seit dem sammelten er und sein Vorgesetzter Herr Friedrichs aus alten Speichern und Kellern jedes regionale Exponat, das mit der Zollgeschichte in Verbindung zu bringen war. Ein Teil der Sammlung entstammt dem Preußischen Kulturbesitz Berlins, um den bereits 1996 erfolgreich mit Charme, Fleiß, Stetigkeit und Überzeugungskraft (neben einem Sektfrühstück) gekämpft wurde. Der Bundesrechnungshof hatte die zollgeschichtliche Sammlung auflösen und in das deutsche Zollmuseum nach Hamburg übertragen wollen. Erst nachdem Cremer mit seinem Team die Stadt Aachen überzeugen konnte, die Sammlung zu unterstützen, konnte das Zollmuseum weitere siebzehn Jahre mit diesen Exponaten bestehen.CYMERA_20140327_123530 Ein weiterer Teil der Sammlung ist hingegen in das Erbe an Friedrichs Kinder übergegangen. Um diese Exponate halten zu können, engagiert sich Herr Cremer wieder mit Charme, Fleiß, Stetigkeit und Überzeugungskraft. Hoffentlich wird sich die Geschichte wiederholen und ein Glas Sekt für Herrn Cremer auch diese Auseinandersetzung positiv beenden.

Dann muss ich Herrn Cremer auch schon verlassen. Wir hatten uns für eine Stunde zum Gespräch verabredet – viel zu schnell war sie vorübergeeilt. Der Besuch im Zollmuseum hat meine Neugierde geweckt und ich werde wieder kommen, denn hier schlummern jede Menge Geschichten.

Mit der App „geosurfen“ ist die Wave unter Zollmuseum Friedrichs zu finden (direkter Link).

Zollmuseum

Horbacher Str. 497

52072 – Aachen-Horbach

fon: +49 (0) 241 – 9970615

Web: www.zollmuseum-friedrichs.de

weitere lesenswerte Berichte:

„Zollmuseum Friedrichs bangt um Kernstück der Sammlung“ von  KingKalli am 09. Januar 2014

 

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